Sunaks schwierige Aufholjagd

10 August 2022
 Sunaks schwierige Aufholjagd

Mit Maßnahmen gegen Energiearmut und Infrastruktur-Programmen will Sunak neuer Tory-Chef werden. Bei der konservativen Basis in Nordengland kommt das an - kann er damit den Vorsprung von Konkurrentin Truss verringern?

Mika Smiles ist Ratsmitglied in Middlesborough im Nordosten von England und Mitglied der Konservativen Partei. Sie will die beiden Spitzenkandidaten Liz Truss und Rishi Sunak bei einer Wahlveranstaltung im nahegelegenen Darlington für die Parteibasis erleben. Dabei hat sie schon abgestimmt: für Sunak, den ehemaligen Finanzminister.

Sunak habe im Rahmen von Förderprogrammen Geld für die Innenstädte bereit gestellt, sagt Smiles: "In Middlesborough haben wir 36 Millionen Pfund bekommen. Viele Städte im Vereinigten Königreich haben Probleme. Das Geld hilft uns, die Innenstädte attraktiv zu machen, damit die Leute wieder dort einkaufen."Sunak hat aus Sicht der Lokalpolitikerin geliefert - in einer Region, in der bislang vor allem Labour stark war. Deswegen soll der ehemalige Finanzminister Parteivorsitzender und Premierminister werden, findet sie. In den Umfragen unter Parteimitgliedern sieht es für Sunak aber nicht ganz so rosig aus - Truss liegt vorne. Sie setzt auf Steuersenkungen und ein einsetzendes Wirtschaftswachstum, wenn die Steuerlast gesenkt wird.

Zwei Thatcher-Fans mit schwerem Erbe
Finanzminister Sunak und Außenministerin Truss wetteifern um den Vorsitz der britischen Konservativen.

Sunak will Hilfen gegen EnergiearmutDerzeit sind die Wirtschaftsaussichten für das Vereinigte Königreich miserabel: voraussichtlich kein Wachstum kommendes Jahr, hohe Inflation. Dazu kommen die steigenden Energiepreise. Experten rechnen, dass die Ausgaben für Gas und Strom für durchschnittliche Haushalte auf über 5000 Euro pro Jahr steigen könnten.Sunak will die Mehrwertsteuer auf Gas und Strom senken und Haushalte, die besonders von den hohen Preisen betroffen sind, durch direkte Zahlungen unterstützen. "Es gibt Millionen Haushalte, die mit diesen Kosten nicht klar kommen werden, egal wie hart sie arbeiten. Deswegen muss sich unsere Unterstützung nicht an die Wohlhabenden richten, die viel verdienen, sondern an die, die es nötig haben", sagt er. "Sonst werden Millionen leiden und wir werden bei den nächsten Wahlen abgestraft." Truss lehnt das ab.Sunak argumentiert auch, dass Steuersenkungen derzeit eigentlich gar nicht finanzierbar sind.

Es wird viel versprochen in diesem Wahlkampf: Es geht um den maroden Gesundheitsdienst, Verteidigungsausgaben, die Ukraine-Politik, Bildung und Chancengleichheit.Für Gordon Brown, den ehemaligen Premier und Labour-Politiker, ist das viel zu viel Debatte - über Wochen hingezogen, obwohl das Land dringend Maßnahmen ergreifen müsste, um den Anstieg der Lebenshaltungskosten abzufedern. Es reiche nicht, kritisierte er, wenn die Spitzenkandidaten durch das Land touren und Pläne ankündigten, die sie erst einen Monat später vorlegen wollen. "Diese Krise muss nun angegangen werden", forderte Brown.Und schlug vor, dass Noch-Premier Boris Johnson mit den beiden Spitzenkandidaten zusammen Maßnahmen beschließen sollte. Denn der oder die neue Parteivorsitzende wird erst am 5. September bekannt gegeben. Doch die beiden Kandidaten erteilten diesem Vorschlag eine klare Absage. Die Differenzen sind offensichtlich viel zu groß.
Rishi Sunak und Liz Truss nehmen an der TV-Debatte über die Führung der Konservativen Partei teil, die von Sophie Raworth moderiert wird.

Darlington ist Zuhörer Richard nach der Wahlkampfveranstaltung immer noch unentschieden. Seine größte Sorge sei die Lebenshaltungskosten-Krise, sagt er - aber dennoch: "Wir müssen unsere Bilanzen ausgeglichen haben, dürfen keine Schulden machen." Ob das jetzt für Truss oder Sunak spricht, weiß Richard nicht so ganz genau. Denn beide versprechen gerade viel.